veni!gstens hin und wieder mal zur Kirche gehen
„veni!“ - Die zeitlich befristete
Jugendkirche
Als
im Jahr 2006 das 40jährige Kirchweihjubiläum der Heilig-Geist-Kirche in
Emmerich anstand, kam die Frage auf: „Wird auch in 10 Jahren ein Kirchweihfest
in Heilig-Geist gefeiert?“ Die Antwort auf diese Frage kennt niemand, aber es
war schnell klar, dass die Kirche (und nicht allein das Gebäude mit dem
berühmten Schrottkreuz) nur dann eine Zukunft hat, wenn es gelingt, junge
Menschen verstärkt an Kirche heranzuführen.
Jan
Kröger, damals Diplom-Theologe im Gemeindejahr, und Pastoralreferent Michael
Beermann ließen sich von den verschiedensten Jugendkirchen (Tabgha,
effata…) inspirieren und beschlossen, zum Jubiläum
der Heilig-Geist-Kirche ein zeitlich befristetes Jugendkirchen-Projekt zu
initiieren.
Tatsächlich
war die Zeit reif für den Versuch, einen neuen jugendliturgischen Ansatz in
Emmerich zu starten. Zum Zeitpunkt der ersten Überlegungen im November 2005 feierte
die Kirchengemeinde St. Christophorus ihren ersten Geburtstag und die Fusion
der ehemals vier Gemeinden war allmählich in den Köpfen der Gemeindemitglieder
vollzogen worden. Nun galt es, auch auf Ebene der Jugendpastoral konkrete
Schritte der Zusammenarbeit zu gehen. Das Projekt „veni!-Jugendkirche
Heilig-Geist“ sollte ein solcher Schritt sein. 20 interessierte Jugendliche zwischen
15 und 25 Jahre – vor allem Messdiener und Firmbewerber
– aus allen vier Pfarrbezirken und darüber hinaus bildeten ein
Vorbereitungsteam, das im Vorfeld der Aktion Motto, Kirchengestaltung und
Programmpunkte plante. Sie machten und machen somit „veni!“ zu ihrer Kirche.
Im
Mai 2006 wurde dann für zwei Wochen die Kirche zur Jugendkirche gestaltet: die Bänke
kamen raus, Teppich wurde verlegt und diverse Dekorations-Elemente sowie eine
Lichtanlage aufgebaut. Unter dem Motto „Damit Gott ins Spiel kommt“ wurde ein
buntes Programm von Gottesdiensten und anderen Aktionen wie einer Kinonacht,
einem Rockkonzert und einer Party auf die Beine gestellt.
Der
Name des Projekts „veni!“ sollte nicht nur den Bezug zum Patrozinium der Kirche
verdeutlichen, sondern indirekt natürlich auch für die Jugendlichen gelten:
„Kommt!“ Und: Sie kamen! Nicht in den Riesenmassen, aber doch reichlich. Und
nicht nur Jugendliche kamen, sondern Menschen aller Altersgruppen. Die
„End-Zwanziger“ bis „Anfang-Fünfziger“ entdeckten eine Kirche, die auch für sie
ansprechender war als die „normale“ und auch die älteren Besucher – anfangs aus
Neugierde mit Skepsis gemischt gekommen – machten die Erfahrung, dass eine andere
Form einen neuen Zugang zum eigentlich doch gleichen Inhalt ermöglicht.
Manche
Sorgen konnten schnell beseitigt werden: „Wird in der Kirche Fußball
gespielt?!“ Die Kirche hatte sich passend zur Fußball-Weltmeisterschaft in ein
Spielfeld verwandelt, aber der Ball, der auf dem Anstoßpunkt im Mittelkreis
lag, wurde nicht ein einziges Mal weggekickt. Manch andere Frage muss
ausgehalten werden: „Warum kommen die Jugendlichen denn sonst nicht zur Messe?“
Die Jugendkirche „ veni!“ versteht sich nicht als Lockangebot für den regulären
Sonntagsgottesdienst. Insgesamt war und ist die Akzeptanz in der Gemeinde aber
noch größer, als im Vorfeld erhofft worden war. Selbst an der
Hollywood-Schaukel, die aus Platzmangel auch nach der 2008er-Aktion noch in der
Kirche verblieben ist, stören sich nur wenige, manche nennen sie gar
„Seelen-Schaukel“…
Nach
dem Pilot-Projekt 2006 war ganz schnell klar, dass es keine Eintagsfliege
bleiben würde. Pfarrgemeinderat, Seelsorgeteam und vor allem die beteiligten
Jugendlichen wollten „veni!“ am Leben halten und so ist die Jugendkirche auf
Zeit inzwischen in jedem Jahr einmal gelaufen. Zudem haben sich seit einem Jahr
monatliche Jugendgottesdienste in der Heilig-Geist-Kirche etabliert. Extra
dafür wurden 80 neue Stühle angeschafft und ein Teil der alten Bänke
ausgeräumt, um eine flexible Sitzanordnung ermöglichen zu können.
Was
bringt das Ganze? Eine einfache Antwort darauf gibt es natürlich nicht. Der
Aufwand ist enorm. Trotz diverser Spenden und einem Jugendpreis der Stadt
Emmerich steckt die Kirchengemeinde jedes Jahr einige hundert Euro in das
Projekt. Die zeitliche Beanspruchung für die beteiligten Hauptamtlichen ist
ebenfalls beträchtlich. Der „Ertrag“ besteht eher nicht in der Tatsache, neue
Jugendliche zur Mitarbeit gewinnen zu können. Die Aktiven sind größtenteils
auch über „veni!“ hinaus aktiv. Was zählt ist die Erfahrung, die alle machen,
die – ob sporadisch oder immer wieder – kommen: Kirche ist bunt und vielfältig,
in Kirche passiert etwas, in Kirche kann ich meinen Platz finden - vielleicht
nicht immer, vielleicht sogar viel zu selten, aber immerhin ab und an. Und so
lädt „veni!-Jugendkirche Heilig-Geist“ dazu ein, „veni!gstens hin und wieder mal zur Kirche gehen“.
Übrigens:
„veni!-Volume IV“ läuft vom 14. – 29. März 2009.
Mehr
Infos unter www.jugendkirche-veni.com